Tag 2: Reiten und Skagi

Der Hof Hvammur wird von einer Familie betrieben: Haukur ist Isländer und wohnt hier mit seiner deutschen Frau und drei Töchtern. Eine Bekannte in Reykjavík hat uns an Haukur vermittelt: Denn wie kann man Island verlassen, ohne jemals auf einem Islandpferd geritten zu sein? Also satteln wir nach dem Frühstück mit einiger Hilfe von Haukur zwei Pferde und reiten los. – Natürlich geht es nicht ganz so schnell: Wir bekommen eine recht kurze Einführung – immerhin sind Christine und ich vorher nie wirklich geritten – und versuchen dann, „unserem“ Pferd innerhalb des Gatters zu sagen, wohin wir reiten möchten. Da das sehr gut klappt, geht es nach vielleicht einer halben Stunde des Gewöhnens raus auf die Straße. Wir sind selber überrascht, dass die Pferdchen irgendwann nach der Erklärung von Haukur tatsächlich mit uns in Trab und Tölt übergehen. Tölt ist eine spezielle Gangart, die nur Islandpferde beherrschen und bei der immer ein Huf auf dem Boden steht. Der Reiter ist dabei rekatuv zum Boden fast völlig in Ruhe. Wir durchqueren einen flachen sprudelnden Bach und sind nach zwei Stunden wieder wohlbehalten im Stall. Die Begegnung mit den Pferdchen hat unsere Beziehung zu den stoisch auf vielen isländischen Koppeln stehenden und Heu kauenden Tieren stark verändert. Konnten wir sie vorher nur anhand ihres ruhigen Auftretens und ihrer extravaganten Frisuren einschätzen, haben wir nun auch ihren Charakter kennengelernt.

Zum Abschied empfiehlt uns Haukur, auch die Küste der nächst-östlichen Halbinsel Skagi abzufahren. Auch hier geht die asphaltierte in eine grob geschotterte über, die gewisses Geschick im Slalomfahren zwischen Schlaglöchern erfordert. Die Wolken verziehen sich langsam und wieder blicken wir auf Westfjorde im Westen. Bei Framnes halten wir für einen Spaziergang, einen schmalen Damm entlang zur kleinen Halbinsel mit Leuchtturm. Die Küstenlinie ist hier geprägt von in alle Himmelsrichtungen gestapelten Basaltsäulen. Stehen sie senkrecht, formen sie ein Schachbrett mit fünfseitigen Feldern oder Treppenstufen für nistende Möwen. Manchmal stehen sie aber auch kreuz und quer und wirken wie ein Bündel Baumstämme, die eben chaotisch einen Hang hinuntergerollt sind. Ungern trennen wir uns von diesem friedlichen Ort und umfahren weiter Skagi. An der Nordseite schlägt das Wetter um und es wird nebelig, so dass die Weiterfahrt relativ ereignislos verläuft. Wir entscheiden, die folgende Nacht in Akureyri zu verbringen.

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Ein Kommentar zu “Tag 2: Reiten und Skagi”

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