4×4 mal tief im Schnee

Mit Wasserfällen und Gletscherzungen ist der erste Tag im Süden Islands zwar schon sehr ausgefüllt gewesen, doch die windige Insel des Eises hat noch ein Abenteuer für uns auf Lager. Auf dem Weg nach Vík wollen wir noch die Abendstimmung am Dýrholaey mitnehmen, einem über hundert Meter hohen Felstor, das kurz vor Vík in den Atlantik ragt. Doch schon nach einem kurzen Stück auf der Schotterstraße versperrt ein Hindernis den Weg: Eine Schneeverwehung, noch frei von Autospuren, verdeckt die Straße. Und sie scheint mindestens 30 cm tief zu sein.

Na ja, denken wir uns, wozu haben wir ein Auto mit Allradantrieb?! Nichts wie durch! Doch ganz so einfach gestaltet sich die Sache dann doch nicht: Sobald das Auto komplett im Schnee steht, bleibt es stecken. Auch rückwärts schaffen wir es nur mit Motorkraft nicht. Alles kein Problem, wir sind ja immerhin zu viert unterwegs – schieben wir das Auto eben heraus. Wir schieben also. Zu dritt mit Motorunterstützung, zu viert – doch das Koloss von Auto vor uns rührt sich nicht vom Fleck. Wir schaffen es noch nicht einmal, den Wagen mit vereinten Kräften zum Wackeln zu bringen!

Die Reifen haben sich tief in den ziemlich festen Schnee eingegraben. Da wir uns auf einer Schotterpiste befinden, nützt auch das Erreichen der Straße nichts – die Steinchen werden wie der Schnee von den Reifen aufgewühlt. Wir stellen fest, dass wir auf dem Schnee aufsitzen. Etwas weniger zuversichtlich beginnen wir, den festen Schnee unter dem Auto herauszuschaufeln – mit Plastikabdeckungen aus dem Auto, einer Tubberschachtel und bloßen Händen. Nach zwei weiteren vergeblichen Fahrversuchen geben wir diese recht ineffektive Graberei schließlich auf und schicken unsere Männer zum nächsten Haus auf die Suche nach Hilfe. Dieses ist zum Glück nicht weit entfernt. Dort sind nur ein kleines Mädchen und seine Mutter zu Hause – die Männer seien alle beim Melken und würden frühestens in anderthalb Stunden zurückkommen. Jedoch können wir uns einen richtigen Spaten leihen. Endlich gibt es sichtbare Fortschritte beim Schaufeln! Micha gräbt mit Begeisterung und in wenigen Minuten ist das Auto so weit befreit, dass wir mit mehrfachem Vor- und Zurücksetzen aus dem Schneeloch herausfahren können.

Das ist also noch einmal gut gegangen – doch unsere Zuversicht in die Allmacht unseres Leihautos ist nachhaltig erschüttert!

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2 Kommentare zu “4×4 mal tief im Schnee”

  1. So gross ist euer „Geländewagen“ nun auch nicht. Falls ihr mal ihr mal in die Verlegenheit kommt, zu furten, vermeidet die typischen Fahler: Einfach so in die Furt fahren (am besten jemand anders fährt vor oder man geht einmal durch, wenn man nicht sicher ist) und vor allem zu schnell fahren. Bei letzterem spritzt dann gerne das Wasser bis zum Motor hoch und dann wirds sehr teuer.

  2. da hast du recht, gemessen an dem fuhrpark auf isländischen straßen war unser auto eher klein.

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