5. Tag: Borgarfjörður eystri

Nachdem dieser Blog einige technische Probleme durchstehen musste und ich schon Angst hatte, die Datenbank verloren zu haben, ist er nun endlich wieder in voller Pracht zu erreichen. Noch immer stehen einige Einträge unserer Rundreise im Mai aus. Viel Spaß beim Lesen.

Eine etwas kalte Nacht in dem teilweise nur mit Stroh umgebenen Häuschen mit kleiner Stromheizung geht vorbei. Wir sind immer noch in Egilstaðir, dem charmlosen Versorgungszentrum der Ostfjorde und wollen nun endlich etwas von ihnen sehen. Der Reiseführer macht uns die Wahl nicht leicht. Zwar ist einer der größten Fjorde durch die hunderte Meter lang Aluminiumschmelze berühmt und für uns daher nicht sonderlich anziehend, aber die Auswahl reduziert sich nur unwesentlich.

Wir entscheiden schließlich, dass wir nicht sofort auf der Ringstraße weiter müssen und daher auch ein Stück gegen unsere Richtung zum nördlichsten der Ostfjorde fahren können: Borgarfjörður eystri. Die Straße führt zunächst in ein breites Tal, das Schmelzwasser vom größten Gletscher Vatnajökull in den Norden transportiert. Eine einsame aber überwiegend asphaltierte Straße führt uns an einen Hof, wo wir das Auto abstellen, um zu Fuß den letzten Berg zu überqueren und den schmalen Fjord zu erwandern. Wie auch bisher im Nordland ist das Gras hier trotz der warmen Maitage in Reykjavík noch völlig braun, nur hier und da ist ein Hauch grün zu erahnen, der überwiegend von Moos vorgegaukelt wird. Die Gegend ist wie schon zuvor auf unserer Reise noch völlig leer von Touristen oder anderen Menschen, lediglich ein paar weidende Schafe kreuzen unseren Weg.

Obwohl wir eigentlich einem markierten Wanderweg folgen, beginnen erste Unwegsamkeiten, die aber für isländische Wege völlig normal sind. Denn alle paar hundert Meter stehen wir vor einem rauschenden Bach, der das Schmelzwasser vom Fjordhang abtransportiert und uns einigen Schweiß auf die Stirn treibt. Mit der Zeit gewöhnt man sich aber an die Suche nach trockenen Steinen in der Flussmitte, die vielleicht das eigene Gewicht beim Landen nach dem Hechtsprung halten können, bevor man sich mit einem weiteren kräftigen Sprung ans andere Ufer gerettet hat. Wir lassen uns dabei von kleineren Wasserfällen ablenken, die häufig mit den Bächen verbunden sind.


Der Wanderweg führt nun in größere Höhen und wir kämpfen zunehmend mit dem Wind und blicken nervös gen Himmel. Den Hang hinauf ziehen zunehmend Nebelschwaden, die wir pessimistisch auch als Regenwolken verunglimpfen könnten, es aber aus diplomatischen Gründen nicht tun. Alle Höflichkeit verhallt ungehört, denn während wir noch zunehmend frierend gegen den kälter werdenden Wind kämpfen, beginnt es zu schneien. So verlieren wir vollends den Spaß, über die breiten und teilweise angetauten Schneeflecken zu springen, welche die Maisonne hier noch nicht beseitigen konnte. Ein Blick weiter nach oben beweist nur, dass die Überquerung des Grats wohl keine Ausblicke bringen würde – also geht es zurück zum Auto, mit dem wir eine sicherere Überquerung wagen wollen.

Nach dem breiten ausladenden Schmelzwassertal wirkt Borgarfjörður eystri sehr beklemmend und doch majestätisch, denn zwischen dem schwarzen Basaltgestein sind riesige unberührte Schneefelder. Ganz in der Ferne verliert sich der Fjord am Fuß der tief eingeschnittenen Hänge an wenigen Gehöften, dem Ort Borgarfjörður. Wir fahren jedoch nicht so weit, sondern begnügen uns mit der Besichtigung eines geologischen Highlights. In einem Seitental finden sich rhyolithische vulkanische Ablagerungen, welche die Hänge bilden und die später von einem basaltischen Gang durchschnitten wurden, der nun als schwarze Barriere das Tal durchschneidet. Rhyolith und Basalt sind chemisch gegensätzliche Gesteine – ihr gemeinsames Auftreten ist an sich schon eine Besonderheit, die in dieser Form wohl einmalig ist.

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