Blau ist die Lagune und dunkel

Vielleicht sind die sechs Wochen im Ausland gerade die Zeit, nach der man etwas mehr Aufregung braucht. Das tägliche Leben in der neuen Umgebung ist nicht mehr spannend genug, man hat sich eingelebt. Während in Ithaca, NY illegal gerodelt wird, muss man sich in Island zu einem kostenlosen Schwimmbadbesuch verhelfen.

Aber von vorne. Es ist Freitagabend, wir sind eben von unserer Tour zum Kleifarvatn zurückgekehrt. Das Abendessen besteht aus den zusammengeworfenen Gerichten unserer leicht desorganisierten Dinnerparty.

Wir essen sehr gut und reichhaltig und sitzen danach bei einem Bier zusammen und überlegen gerade, was für ein Abendprogramm möglich ist. Ich selbst bin eigentlich zu müde, um nochmal wegzugehen, da ich die Nächte davor wenig geschlafen habe.

Irgendjemand erzählt, dass Freunde von ihm kürzlich in der Blauen Lagune schwimmen waren: Nachts. Die Idee ist zwar verrückt – das Bad schließt um 22 Uhr und es ist bereits deutlich später. Allerdings könne man „problemlos über das Lavafeld an die Lagune herangehen.“ Es entsteht eine gewisse Begeisterung im Raum, zumal wir zumindest einen Mietwagen noch vor der Tür stehen haben. Ein Bekannter – ein Bulgare, der in Island arbeitet – wird mit leicht überhoehten Fakten überredet, uns mit seinem Auto zu begleiten. So machen wir uns gegen Mitternacht mit zwei PKWs und neun Leuten auf zur blauen Lagune. Es regnet bei etwa 4 °C – zumindest weht aber kein Wind, was hier relativ selten vorkommt.

Wir verfahren uns auf der Hinfahrt, kommen aber schießlich auf dem Besucherparkplatz des berühmtesten Schwimmbads Islands an. Natürlich steht kein anderes Auto dort. Wir versuchen es erst auf der westlichen Seite der Lagune, allerdings versperrt uns da nach 20 Minuten Marsch über ein Lavafeld ein kleiner Fluss den Weg. Wir kehren also um, um es auf der anderen Seite des Parkplatzes zu versuchen.

Die Lagune liegt mitten in einem Lavafeld. An der Nordseite befindet sich ein geothermales Kraftwerk, an der Ostseite einige Ausläufer, deren Wasser aber deutlich kühler als das Wasser des Bades ist. Das Lavafeld erweist sich bei Dunkelheit als schwieriges Terrain. Zwar sind die spitzen Steine an vielen Stellen mit weichem Moos bewachsen. – Allerdings machen Spalten das Laufen bei Dunkelheit schwierig, trotz der wenigen Taschenlampen, die wir dabei haben.

Voellig durchnässt, verschwitzt und ermüdet erreichen wir schließlich die steile Lavakante zum eigentlichen Bad der Blauen Lagune. Wir entscheiden uns, direkt gegenüber des Gebäudetraktes ins Wasser zu gehen. Die Fenster sind hell erläuchtet, sehen aber verlassen aus. Wir lassen uns in das etwa 38 °C angenehme Wasser gleiten, während der Regen weiter auf unsere ohnehin durchnässten Klamotten einpladdert.

Gegen 2:30 Uhr entscheiden wir uns, den Rückweg anzutreten, der nicht weniger anstrengend gerät als der Hinweg, obwohl wir dieses mal einen direkteren Weg versuchen. Die zwei Personen, die wir zwischenzeitlich hinter den Fenstern gesehen hatten, hatten uns entweder gar nicht bemerkt oder scheren sich wohl nicht um Nachtbader.

Letzte Triumphposen der Nachtbader vor der Heimfahrt nach Reykjavik.

Mein (erster!) Besuch im Bad der Blauen Lagune war definitiv ein ziemlich spannendes Abenteuer. Das nächste Mal werde ich mir aber eine Eintrittskarte kaufen. Das Nachterlebnis wird wohl keiner von uns so schnell vergessen.

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