Esja-Besteigung

Esja auf der gegenüberliegenden Seite der Reykja-Bucht ist ein dominanter, bis zu 914 Meter hoher Bergrücken, der auch das Stadtbild dominiert. Esja besteht aus verschiedenen Lagen aus Basalt und vulkanischer Asche, die hier vor mehreren Millionen Jahren abgelagert wurden. Mit dem Auto braucht man 30 Minuten zu einem gut markierten Wanderweg. Mit dem Bus ist es nur ein wenig mehr.

Ein lokaler Stadtbus bringt uns an den Beginn eines gut markierten Wanderwegs. Esja als Plateau verschiedener Lavaströme ist meist sehr steil. An dieser Stelle hat jedoch ein kleiner Bach einen tiefen Einschnitt gegraben, der eine Besteigung möglich macht. Die ersten hundert Höhenmeter sind gesäumt von kleineren Waldstücken. Der ausgelatschte Witz stimmt auch hier: Was tust du, wenn du dich im isländischen Wald verlaufen hast? – Aufstehen.

Oberhalb der Baumgrenze laufen wir direkt im Schnee. Obwohl die Sonne scheint, ist es noch nicht sonderlich warm. Dadurch ist der Schnee gut gefroren, wenn man auch merkt, dass die letzten warmen Tage bereits einiges zum Schmelzen gebracht haben, was nun über Nacht gefroren ist. Das Laufen wird so zur Rutschpartie.

Der Esja-Wanderweg ist eine wahre Autobahn. Viele Städter nutzen den Berg als Naherholungsgebiet und erklimmen ihn regelmäßig. Dabei geht es nicht unbedingt um den Genuss, da viele den Berg hinauf- und hinabrennen!

Auf etwa 650 Höhenmetern erreichen wir Steinn: Einen großen Findling, der als Markierung eines Rastplatzes dient und auf dem bereits einige bärtige Isländer ausruhen. Von hier aus geht es aber noch weiter hinauf auf den Teil des Weges, der auf einer Informationstafel mit dem höchsten Schwierigkeitsgrad bezeichnet wird. Es geht steil bergan und wir bemerken, dass die Leute, die anfänglich noch mit uns laufen, bald umdrehen und wohl nur den Blick auf einem einfacheren Wegstück genießen wollten. Auf den letzten 20-30 Höhenmetern vor dem Gipfel stehen die Basaltfelsen schroff aus dem Schnee hervor, die wir schon reichlich erschöpft erklimmen, bevor wir endlich den Gipfel, ein flaches Plateau, erreichen.

Der sich uns bietende Blick ist umwerfend. Vor uns liegt die Reykja-Bucht mit Reykjavík und einer Bergkette dahinter. Links blickt man weit ins tief verschneite Landesinnere. An den Säumen der Berge erkennt man einige kleine Dampffahnen friedlich in den Himmel aufsteigen – geothermische Kraftwerke, die die Region mit Strom und Warmwasser versorgen. Laut Reiseführer kann man bei klarem Wetter den großen Gletscher Langjökull sehen, was bei Schnee schwierig ist. Weiter rechts in Richtung Westen erstreckt sich hinter den letzten Esja-Ausläufern der weite Atlantik.

Nach einer Stärkung beginnen wir den Abstieg, der anstrengender wird als der Aufstieg. Der Schnee macht es an manchen Stellen schwierig, Halt zu finden.

Von Steinn an geht es zunehmend leichter. Allerdings bemerken wir, dass wenige Stunden Sonnenschein den Schnee leicht in ebenso rutschigen Matsch verwandeln können. Liegt der schwarze Basaltschotter darunter erst einmal offen da, schmilzt er umso schneller.

Reichlich erschöpft aber auch zufrieden mit uns über die Bezwingung von Esja, die uns dafür einiges abverlangte, erreichen wir die Bushaltestelle. Obwohl wir den von hier alle zwei Stunden verkehrenden Bus gerade verpassten, gelingt es uns schon beim ersten Nachfragen auf dem Parkplatz eine Mitfahrgelegenheit zu organisieren. Glücklicherweise kommen genügend Wanderer von ihrer Samstagswanderung zurück. Drei Isländer nehmen uns in ihrem Geländewagen mit und bringen uns sogar direkt nach Hause.

Tags: , , , , , ,

Einen Kommentar schreiben.