Freud und Leid

Irgendwie neige ich doch dazu, vor allem die positiven Seiten meines Lebens hier in den Blog zu schreiben. Dass nicht immer alles glatt geht, musste ich diese Woche feststellen. Als ich am Montag zur 8 Uhr-Vorlesung (fast) pünktlich erschien, wurde ich vom Tafelanschrieb Teacher is sick. No class today ernüchtert. In gewisser Weise war das eine gerechte Strafe, weil mir das Aufstehen an den letzten Montagmorgenden so schwer gefallen war, dass ich recht selten in der Vorlesung war. Dummerweise war ich jetzt aber nicht nur wegen dem wegen Krankheit fehlenden Lehrer umsonst aufgestanden – ich fühlte mich selbst auch nicht besonders gut.

Gegen abend bekam ich relativ hohes Fieber. Mikael kümmerte sich aber gut um mich, verschaffte mir Ruhe (indem er das Abendprogramm in ein Nachbarapartment verlegte) und Tabletten (die er von seiner Grippe vor einigen Wochen noch übrig hatte).

Nach drei Tagen Ruhe und viel Schlaf geht es mir mittlerweile wieder ganz gut. Heute vormittag war ich auf der Suche nach einem Praktikumsplatz im Sommer, was hier deutlich schwieriger ist, als ich es mir vorgestellt hatte. Aber ich hoffe weiter, die zwei freien Sommermonate nach isländischem Semesterende sinnvoll nutzen zu können und gleichzeitig etwas vom isländischen Sommer mitbekommen zu können. In Tübingen war es ja vor wenigen Tagen so warm, wie es hier im August maximal wird: 17°C. Aber bis dahin dauerts hier wohl noch.

Frühlingsanzeichen muss man hier mit Adlersaugen suchen. In dieser Woche hatten wir sicher 15 cm Neuschnee, wobei es selten aufhörte zu schneien. Auch wenn es schön ist, mal wieder einen richtigen richtigen richtigen Winter zu haben, will man ihn irgendwann auch wieder weg haben. Zumindest sagen Isländer, dass es nicht unbedingt typisch ist, dass der Schnee in Reykjavík so beständig liegt. Das lässt ja hoffen. Aber die frühlingsverwöhnte Schwäbin, die mich ab nächstem Mittwoch besucht, kann so wenigstens auch noch einen Hauch Winter miterleben.

Apropos Frühlingsanzeichen: Auf dem Weg durch ein Wohngebiet wurde ich heute von einem Schwarm piepender Vögel (bestimmt 100) überrascht, die in den Bäumen saßen und Schnee aßen. So kann man sich dem Winter auch entledigen.

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Ein Kommentar zu “Freud und Leid”

  1. Jetzt hier schon auf Frühling zu hoffen, ist in der Tat gewagt. Übrigens ist dieser Winter ein eher harter…
    Und die kleinen Singvögel sind Rotdrosseln.

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