Gullfoss und Geysir

Wie versprochen kommt hier die Fortsetzung unseres Ausfluges zum Golden Circle letzte Woche.

Erst als wir wieder im warmen Auto sitzen und sicher sind, dass unser Ausflug tatsächlich noch nicht vorzeitig beendet ist, trauen wir uns, im Reiseführer nachzuschauen was wir denn nun als Alternativprogramm noch unternehmen können. Dabei stellen wir fest, dass die unpassierbare Schneepiste hinter uns gar nicht der einzige Weg zu Wasserfall und Geysir sind – es ist nur der direktere, weshalb der Reiseführer natürlich nur ihn beschreibt (denn wer reist schon im Winter nach Island…). Mit neuem Tatendrang machen wir uns also auf den Weg, der uns vorbei an Seen, Flüssen…

… großen isländischen Wäldern…

und anderen verzauberten Ausblicken an unser ursprüngliches Ziel bringen wird.

Der Weg führt uns am isländischen Bischofsitz Skáholt vorbei. Die heutige Kirche ist recht modern – sie stammt aus der Mitte des 20. Jahrhunderts. Im Schnee lassen sich, durch eine Informationstafel aufmerksam gemacht, die Grundmauern älterer Gebäude ausmachen. In mir kommt unwillkürlich die Frage auf, weshalb dieser Bischofsitz ausgerechnet hier errichtet wurde. Er liegt im absoluten Nichts, neben der Kirche stehen hier nur noch eine handvoll Gebäude, die vermutlich als eine Art Gästehaus mit Tagungszentrum dienen. Der nächste größere Ort ist etliche Kilometer entfernt – warum also hier und nicht irgendwo anders? Die Frage wird wohl unbeantwortet bleiben…

Im Inneren ist die Kirche sehr schlicht gestaltet und so lenkt nichts von dem großen Jesusmosaik hinter dem Altar ab.

Durch die farbenfrohen Fenster flutet das Sonnenlicht und wirft seine bunten Reflexe an Säulen und Wände, taucht das Gebäude in eine festliche Atmosphäre.

Nach diesem kleinen Stück Kultur geht es weiter in der Natur. Wir kommen an einer Erhebung vorbei, von deren Rand man in einen ehemaligen Vulkankrater blicken kann. Kurz nach dem letzten Straßenschild, das den Weg zum Gullfoss weist, hört die asphaltierte Straße auf und wird unvermittelt zur Schotterpiste. Wir rumpeln über Schlaglöcher, die schließlich vom Schnee zugedeckt werden – der hier glücklicherweise nicht besonders tief ist. Vorsichtig und langsam fahren wir weiter, das einzige Auto weit und breit, vorbei an vereinzelten Gehöften. Hätten wir nicht kurz zuvor das Schild gesehen, wir wären überzeugt davon, uns verfahren zu haben! Doch die Fahrt bleibt unkritisch und ebenso abrupt wie sie anfing, weicht die Schotterpiste wieder einer asphaltierten Straße. Und endlich eine Kreuzung, eine breite, geteerte Straße, viele Autos und in wenigen Kilometern: Der Gullfoss!

Das Tosen der Wassermassen vermittelt direkt die Urgewalt der Natur, die hier in Island ohnehin greifbarer scheint als in anderen Teilen der Welt. Selbst in einigen hundert Metern Entfernung geht ein feiner Sprühregen auf uns nieder. Das Eis am Rande der Wassermassen scheint selbst ein im Fallen erstarrter Wasserfall zu sein. Die Momente ehrfürchtigen Staunens entschädigen für alle Unannehmlichkeiten der Herfahrt.

Bei den vielen schneebedeckten Straßen konnte man ja bisweilen befürchtet, dass irgendwann so etwas eintreten könnte. Was für ein Glück, dass uns das gerade hier passiert, auf dem Parkplatz beim Gullfoss, dem Ort, an dem es von Touristen – trotz der Jahreszeit – wimmelt! Ausgerechnet hier bleibt unser Auto im Schnee stecken und wir müssen nicht lange warten, bis eine Gruppe freundlicher, hilfsbereiter Kanadier uns mit guten Hinweisen aus dem Tiefschnee schiebt (der hier, wo ihn viele Landrover durchwühlen, zugegebenermaßen auch um einiges tiefer ist als sonstwo).

Der Geysir liegt nun auf dem Heimweg, einer zum Glück breiten, gut ausgebauten Straße. Den vom Thermalfeld aufsteigenden Dampf sieht man schon von weitem, der Schwefelgestank wird zum Glück von dem frisch afgekommenen Wind davongeweht, ehe er unseren Geruchsinn zu sehr strapazieren kann. Der Geysir Geysir ist nur noch ein dampfender Schlammhügel, die Steintafel mit seinem Namen wirkt ein wenig wie ein Grabstein. Alle Aufmerksamkeit richtet sich auf seinen Nachbarn: Strokkur. In dem schlammbegrenzten Lehmtopf brodelt es – die starken Wellen und Kräuselungen, das Hin- und Herschwappen wird nicht vom Wind verursacht! Gebannt starren wir auf den Hexenkessel, aus dem dichte Dampfschwaden aufsteigen.

Immer wieder steigt das Wasser, fast bis zum Rand, um dann doch wieder zurückzuschwappen und abzusinken. Wie eine Bestie, der ihr Mahl nicht bekommen ist – und plötzlich kann sie es nicht mehr halten: Das Wasser steigt wieder auf aus ihrem Schlund, immer weiter, wölbt sich in einem großen Pilz nach oben, um dann, plötzlich befreit, in einer hohen Fontäne aufzuspritzen.

Viermal verfolgen wir dieses Schauspiel, dass sich im Abstand von nur fünf bis zehn Minuten wiederholt. Immer wieder fasziniert dieses seltsame Vorgehen und es ist nur die Kälte und Müdigkeit, die uns schließlich zurück ins Auto und nach einem ausgefüllten Tag auf den endgültigen Heimweg treibt.

Tags: , , ,

5 Kommentare zu “Gullfoss und Geysir”

  1. Sehr schick!

  2. Eure Autoschlüsselaktion lässt besorgte Mütter natürlich
    Herzklopfen bekommen (-: Gut, dass ihr heißen Tee und Handy
    griffbereit hattet. Bin total fasziniert von euren Berichten
    und den tollen Fotos dieser grandiosen Landschaft.

  3. Skáholt war früher ein kulturelles Zentrum, auch wenn man das heute nicht mehr glaubt. Ich vermute das einer der Gründe die Lage am Fluss bzw. eine Furt waren.
    Welche Strasse seid ihr denn zum Gullfoss gefahren? Wenn das die 35 war, dann habt ihr kein Stückchen Schotterpiste darauf (das geht erst ein ganzes Stück hinter dem Gullfoss los). Das sind einfach Eis und Schnee, die die Fahrbahn so uneben machen.

  4. Wahrscheinlich darf man auf Island einfach nicht mit den europäischen Augen schauen, die viel höhere Bevölkerungszahlen gewohnt sind… Wir haben die 30 zum Gullfoss genommen – auf unserer Karte im Reiseführer konnte man nicht sehen, dass die 35 besser ausgebaut ist… Und es war definitiv eine Schotterstraße, immerhin hat ein Schild vor dem Ende der asphaltierten Straße gewarnt.

  5. Ohja, die 30 ist allerdings nicht asphaltiert und die würde ich bei Schneefall nicht mit einem Fahrzeug befahren, das nicht allradfähig ist. Man bleibt doch schnell stecken.

Einen Kommentar schreiben.