Isländisches Landleben

Island zu bereisen ist einfach. Autovermietungen und ein gutes Straßennetz machen bei ausreichendem Kosteneinsatz das Herumkommen problemlos möglich. Immerhin hat Island die besten Straßen Europas – Streckenkilometer pro Einwohner. Das liegt nicht unbedingt an den guten Straßen, zeigt aber, wieviel das kleine Land in seine Infrastruktur investiert – und investieren kann.

Island bereisen ist also einfach – aber in Kontakt mit den Isländern zu kommen, ist schwierig. Über meinen Supermarktjob weiß ich, wie eine typische isländische Familie aussieht und was bei ihr am Wochenende im Kochtopf landet. Aber Kontakt habe ich dadurch noch nicht.

Heute früh machten wir uns auf dem Weg auf die Snæfellsnes-Halbinsel, um dort einen Bauernhof zu besuchen. Alex, ein spanischer Freund von Daniel aus unserem Gästehaus, kennt den Sohn des Hofes. Wir werden überschwenglich von zwei schwanzwedelnden Hunden empfangen und von Steinni herumgeführt. Trotz den (für uns) recht milden Temperaturen um 10°C sind derzeit alle Tiere noch im Stall. Dort werden jedoch die Plätze langsam eng, da durch den Frühlingseinbruch alle Tiere gleichzeitig beginnen zu werfen.

Nach dem Herumführen ist auch das Tierefüttern für Steinni und seinen Bruder beendet und sie laden uns zum Mittagessen ein – bei Mama. Natürlich können wir da nicht nein sagen. Wir werden sehr herzlich aufgenommen und sitzen gemeinsam mit der Familie am großen Küchentisch. Es gibt Hamborgari – Hamburger mit Buletten, Spiegeleiern, etwas Gemüse und Kartoffelbrei. Vermutlich ist dies kein traditionelles isländisches Gericht, entspricht aber nach meinen Supermarkterfahrungen einem Durchschnittsgericht in Island. Da wir auf einem Bauernhof sind und alle Zutaten typisch bäuerlich sind, schmeckt es auch gleich nochmal so gut.

Mit im Haus ist neben zwei Katzen ein vier Tage altes Lamm, das bei seiner Geburt zu leicht war, um im Stall durchzukommen. Es ist wirklich erstaunlich, wie klein und zerbrechlich so ein Wesen wirkt und wie zutraurlich es dabei trotzdem sein kann. Es lutscht an allem, was ihm vor die Schnauze kommt: Neben seiner Milchflasche an Hosenbeinen, Autoreifen und Fingern. Auch einer der Hofhunde ist dem Lamm sehr zugetan und beleckt es mit Vorliebe.

Tags: , , , , , , , , , , ,

Einen Kommentar schreiben.