Landen in Dunkelheit

Ich habs geschafft! Der Check-In in Berlin klappte problemlos, obwohl meine Tasche nach wie vor 4 Kilo zu viel auf die Wage brachte. Ich sah auch gar nicht, dass es am Check-In-Schalter überhaupt so etwas wie eine Kasse oder ein EC-Zahlgerät gibt. Vielleicht ist dieses Limit für Gepäck reine Schikane; eine Regel, die nicht befolgt wird?

Beim Warten vor dem Gate war ich erst der Meinung, von vielen Isländern umringt zu sein (es waren sicher gut 100 Leute die mitflogen, die Maschine war voll!). Als die Maschine aus Reykjavík landete und die aussteigenden Fluggäste hinter einer Glasscheibe aus der Gangway traten, nickten viele herüber, so als kenne man sich. – Island ist eben ein großes Dorf. Allerdings waren mindestens die Hälfte der Passagiere Polen. Das erklärt auch, warum der Flug so ausgebucht ist: Auf Island wird seit mehreren Jahren viel gebaut, die Wirtschaft boomt und durch die Annäherung an die EU und das hohe Preisniveau ist Arbeiten auf Island für Osteuropäer sehr attraktiv, viele Menschen aus Osteuropa wandern hierher aus, um hier zu arbeiten. Natürlich geht es aber über die Feiertage nach Hause.

Der Flug quer über den halben Atlantik verlief sehr ruhig. Von meinem Fensterplatz hatte ich nicht viel, nachdem Berlin außer Sicht geraten war. Wir flogen nach Norden über Ostsee, Schweden, Norwegen. Es gab zwar wenig Wolken aber kaum beleuchtete Städte, die wir überflogen. Die Ungewissheit war den Tag über ziemlich groß und schien in Richtung Landung immer mehr zuzunehmen (das erledigt mein Magen für mich, der sich in so einer Situation immer mehr zusammenkrampft).

Die Landung in Island bei Dunkelheit ist ein Abenteuer für sich: Man überfliegt Festland, doch überall ist es dunkel. Alle 5 Minuten ist eine kleiner hell erleuchteter Ort zu sehen, in einem Meer der Dunkelheit. Viel besser sieht man den Sternenhimmel und manchmal ist es schwer zu entscheiden, ob ein Licht, das einem entgegenleuchtet, ein einsames Licht am Boden oder ein Planet ist. Zwar nimmt die Einwohnerdichte in Richtung Flughafen Keflavík zu, aber die Landebahn beginnt dennoch nach vielen hundert Metern absoluter Dunkelheit. Es ist, wie im Nichts zu landen und erst im allerletzten Moment erkennt man als Passagier, dass da doch noch eine gut beleuchtete Landebahn kommt.

Keflavík ist ein kleiner Ort am Meer, rund 45 Kilometer südlich von Reykjavík, an der Spitze der Reykjanes-Bucht, an dessen Innenseite die Hauptstadt liegt. Nach langem Marsch durch einen postmodernen aber sehr geschmackvollen Großflughafen (er beeindruckt deutlich mehr als Stuttgart-Echterdingen und Berlin-Schönefeld) war ich ganz froh, dass der Shuttlebus bereits direkt am Ausgang wartete und ich bald drin saß.

Keflavík und Reykjavík verbindet eine Art Autobahn, die ähnlich wie in Belgien hell erleuchtet ist und auf der man dennoch maximal 80 fahren darf. Überhaupt ist alles sehr hell beleuchtet. Straßenlaternen, Ampeln, alles ist doppelt s0 hell eingestellt wie bei uns. Bereits kleinere Orte sind in ein Lichtermeer getaucht, dass man kaum noch merkt, dass Nacht ist. Also kaum. ;-)

Ich stieg gegen 1 Uhr Ortszeit (2 Uhr nachts MEZ) am Busterminal aus, einen etwa halbstündigen Fußmarsch vor mir. Reykjavík ist tatsächlich recht klein und fußläufig, so dass ich mich ganz gut zurechtfand und um 1.30 Uhr bei meinem Vermieter klingeln konnte. Glücklicherweise hatte mir die Uni schon Anfang Dezember das Zimmer angeboten. Der Mann brachte mich in das Zimmer, das mein Mitbewohner Mikael bereits am Nachmittag bezogen hatte.

Nun bin ich da. – Wirklich realisiert habe ich es aber noch nicht. Zu viele Eindrücke gilt es zu verarbeiten, zu viel prasselt auf mich ein. Aber so habe ich genügend Material, das ich euch demnächst hier vorführen kann.

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7 Kommentare zu “Landen in Dunkelheit”

  1. die scheinen nackte Männer im Handstand zu mögen ;-) . Dir ist schon klar, dass das jetzt mein Bild von den Isländern entscheidend prägt…

  2. Natürlich: Alle Männer laufen hier halbnackt und auf Händen herum. Irgendwie muss ich dich ja dazu überreden, dass du mich besuchen kommst. ;-)

    Es ist schon komisch, um 11 Uhr aufzustehen, wenn es gerade dämmert, ein bisschen durch die stadt zu laufen und nach dem Mittag um 15 Uhr dämmert es schon wieder…

  3. Dann komm ich aber auch…In Berlin ist es zur Zeit kälter
    als in Island. LG Ma

  4. Ja, also bei solchen männern muss ich mir das ja auch echt nochmal überlegen mit dem island-urlaub *g*
    allerdings ist so wenig sonne schon wieder ein ganz passables gegenargument ;)

    Grüße!

  5. […] Wochen bin ich nun in Island. Und drei Wochen in Reykjavík. Denn nach meiner Ankunft vom Flughafen bin ich noch nicht aus der Stadt herausgekommen, was auch für die meisten meiner […]

  6. […] mein Flugzeug aus Berlin am Flughafen von Keflavík gelandet war und die Stewardess sich von den Passagieren verabschiedete, endete die englische Version ihrer […]

  7. […] ein Jahr ist es jetzt her, dass ich in Island ankam und auch wenn ich seit vielen Monaten wieder in meinem alten Leben in Tübingen bin, ist ein Teil […]

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