Odysseen

Wenn gestern der Ernst des Lebens begonnen hat, begann heute der ernstere Ernst des Lebens. Denn die erste Vorlesung – Glaciology, unwissenschaftlich auch Gletscherologie – begann schon um 8.20 Uhr. Als strebsamer Student stand ich also auf, auch wenn es schwer fiel, weil Mikael weiterschlafen durfte. Seine Vorlesungen fangen erst am Donnerstag an und er kann noch etwas mehr faulenzen als ich.

Auch der Weg zur Uni – etwa 20 Minuten Fußmarsch – machte nicht ganz so viel Spaß wie in den letzten Tagen, weil sich der schmale Dämmerungsstreifen am Horizont bei weitem noch nicht gezeigt hatte. Ich kam gerade noch pünktlich und es waren bereits knapp 20 andere Austauschstudenten im Raum. Wir warteten eine gute Zeit, aber es wollte kein Dozent erscheinen. Also lief ich geradewegs wieder zurück nach Hause, um hier etwas im Internet zu arbeiten. Der Dämmerungsstreifen zeigte sich erst zwei Stunden später.

Reykjavík bei Nacht ist nicht wirklich dunkel: Neben den sehr hellen Laternen und beleuchteten Fenstern scheint es hier wirklich hipp zu sein, Bäume im eigenen Vorgarten zu beleuchten. Das betrifft nicht nur die Tannenbäume, die hier auch noch überall herumstehen.

Mittlerweile habe ich erfahren, dass der Professor eine e-Mail an alle Studenten geschickt hatte, die einen Zugang für das interne Universitätssystem haben und sich darüber für den Kurs registriert hatten. Was er offensichtlich nicht wusste ist, dass jeder Student nach seiner Ankunft in Island eine Identifikationsnummer Kennitala beantragen muss, was einige Tage braucht. Erst danach kann man sich in der Uni registrieren und erst danach bekommt man Zugang zu irgendwelchen Unisystemen. So hat der Professor zwar einige Leute informiert, aber den großen Teil der neuen Austauschstudenten nicht.

Heute nachmittag war ich mit Mikael und unserem Nachbarn, dem Schweden Martin, in einem großen Einkaufszentrum. Es erinnerte mich an ein x-beliebiges Kaufhaus in jedem anderen westlichen Land, wenn auch die Bekleidungsgeschäfte ein wenig schicker aussehen. Die Isländer scheinen tatsächlich etwas luxussüchtig zu sein, was man auch an den vielen großen Autos auf den Straßen sieht, vor allem großen Geländewagen. Dass ich im Einkaufszentrum keine Fotos gemacht habe, mögt ihr mir verzeihen, aber es sah wirklich aus wie überall. ;-)

Nach dem Shopping (ich habe mir eine isländische Mobilnummer zugelegt) stiegen wir wieder in den Bus, um nach Hause zu fahren. Leider erwischten wir die falsche Nummer, so dass wir am Endbahnhof eines schmucklosen Randbezirks von Reykjavík 30 Minuten darauf warten mussten, dass der Busfahrer seine Pause beendet hatte. Netterweise ließ er den Motor laufen, dass wir nicht frieren mussten.

Morgen startet die erste Vorlesung wieder um 8.20 Uhr. Irgendjemand hat aber gehört, dass sie tatsächlich stattfinden soll. Wir werden sehen.

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