Reise nach Island

Karl hat mir erlaubt, auch Posts in seinem Blog zu veröffentlichen – also nicht, dass ihr euch wundert, „ich“ bedeutet in diesem Beitrag nicht Karl, sondern Christine…

Gerade vier Tage ist es her, dass ich nach einer unruhigen, kurzen Nacht beinahe erlöst das Klingeln des Weckers um 3:40 Uhr vernahm, das mir erlaubte, endlich Rucksack und Proviant zu schnappen und mich auf den Weg von Tübingen nach Island zu machen.

Aus lauter Sorge vor den angekündigten Flughafenstreiks und überhaupt bangend wegen all der Dinge, die schief gehen können auf einer solchen Reise – was, wenn mein Gepäck in London nicht ankommen würde? Wenn der Bus nicht kam? Oder wenn der Sturm doch noch einmal aufbrauste, gerade heute kam noch einmal diese furchtbare Filmaufnahme des beinahe-Unglücks in Hamburg… – hatte ich ohnehin kaum ein Auge zugetan. Der Bus kam und im Stuttgarter Flughafen war abgesehen von der Schulklasse, die lärmend ankam, als ich gerade eingecheckt hatte, auch nichts los. Das Flugzeug landete bei schönem Wetter ohne Zwischenfälle pünktlich in London Stansted, mein Rucksack war zwar einer der letzten beim Gepäckband, aber er kam unversehrt. Erst ab London verlief dann nicht mehr alles nach Plan, was jedoch nicht weiter schlimm war – wenn man mal von der wachsenden Ungeduld absieht, die mir „Terminal-Probleme in Keflavík“ mit zusätzlichen drei Stunden Wartezeit auf dem doch nicht so spannenden Flughafengelände verschafften.

Doch irgendwann war auch diese Wartezeit überstanden und ich schlummerte sanft einige tausend Meter über dem Atlantik vor mich hin. Doch alle Müdigkeit war schließlich verflogen, als ich von meinem Fensterplatz weit vorne um 17 Uhr endlich Land erblickte. In die abgestumpfte Gleichgültigkeit, die sich bei jeder langen Reise früher oder später einstellt, mischte sich neue Aufregung. In der starken Bewölkung zeigten sich größere Löcher, durch die ich die seltsamste Landschaft erblickte, die ich je gesehen habe. Es war, als habe jemand die Farbe aus dieser Insel herausgewaschen, denn in reinen schwarz-weiß-Tönen erhob sie sich aus dem Atlantik. Eine weiße Schneefläche, durchbrochen nur von tiefschwarzen Felskanten; vereinzelte Berge mit schwarz-weißem Streifenmuster. In der Ferne war nicht auszumachen, wo das Land endete und die Wolken begannen, was den unwirklichen, verzauberten Eindruck nur noch verstärkte. Das einzige Zeichen von Zivilisation war ein einsamer schwarzer Streifen, eine Straße, die schnurgerade das makellose Weiß durchschnitt. An der Küste brachen sich die Wellen, und die weiße Gischt trennte den türkisblauen Ozean von der farblosen Insel, an deren schwarzen Strand sie tanzte.

Es ging weiter an der Küste entlang und allmählich mischte sich doch noch eine Farbe in die Palette des Malers, der dieses Bild unter uns geschaffen hatte: Braune Flecken und Furchen lukten aus der nun nicht mehr geschlossenen Schneedecke hervor. Der flache Küstenstreifen südlich von Reykjavík ist die Kornkammer Islands, die sich mir nun als braun-schwarz-weiß gestreifter Flickenteppich darbot. Hier und da schimmerte ein zugefrorener See im Sonnenlicht, Flüsse wanden sich wie schwarze Schlangen gen Meer. Und schließlich, nach vielen Kilometern leerer Weite, entdeckte ich den ersten kleinen Ort an der Küste.

Nun waren wir schon beinahe da. Die letzte Strecke führte über die Reykjanes-Halbinsel, wo die Felder wieder einem hügeligen, schwarz-weißen Gelände wichen. Schließlich tauchte in einiger Entfernung eine Bucht auf, hinten überragt von einem breiten Bergrücken, in der sich eine richtige Stadt ausbreitete. Das musste Reykjavík sein! Das Flugzeug drehte eine Kurve, flog nun über dem Meer und sank immer tiefer, während unter uns das Wasser glitzerte. Erst kurz vor der Landung kamen wir wieder über Land, einige Häuser – Keflavík – und schon setzte das Flugzeug sanft auf der Landebahn zwischen schmutzig-braun-weißem Boden auf. Erleichtert machte ich mich mit den anderen Reisegästen auf den Weg zu meinem Gepäck, das nicht lange auf sich warten ließ – jetzt nur noch den Bus nach Reykjavík finden und in einer halben Stunde bin ich da! Während ich mich gerade in die durch einen Pfeil gekennzeichnete Richtung „nach Reykjavík“ aufmachen will, klopft mir jemand auf die Schulter – der verrückte Karl hat sich ein Auto gemietet, um mich vom Flughafen abzuholen!!

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Ein Kommentar zu “Reise nach Island”

  1. Ich freu mich für euch. Wie lange seid gemeinsam dort? Ich hab’s nicht im Kopf. Komme gerade aus Neu-Ulm zurück, bin noch am Auspacken; in N-Ulm besuchte ich meine beste Freundin ihre am 15.2. geborene Tochter. Ich wurde zwei Wochen lang nur Tante Maja gerufen. Sehr cool. Elisabeth Leni Christine ist das süßeste Kind weit und breit, sei angemerkt. ^^ Ich hoffe, ihr verbringt eine schöne Zeit. Ich grüße euch.

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