Reykjanes-Ausflug II

Ich habe gerade die vielleicht intensivsten – zumindest aber extremsten – 48 Stunden meines Lebens hinter mir. Als Auslandsstudent ist man ja durchaus bereit, solche Erfahrungen zu machen, aber insgesamt haben mich diese zwei Tage schon sehr mitgenommen. Gerade bin ich dabei, mich wiederherzustellen. Ich werde jetzt aber erstmal damit anfangen, den ersten Teil des gestrigen Tages zu beschreiben. Der zweite – und deutlich extremere Teil folgt dann im nächsten Beitrag.

Es ist Freitagmorgen. Der Wecker klingelt nach einer (zu) kurzen Nacht erbarmungslos um 7 Uhr und wir sind in der Vorlesung auch nur sieben Leute von über 30 an guten Tagen. Um 10 Uhr in der Pause ein Anruf in der Autovermietung: Nein, unsere kurzfristige Reservierung von letzter Nacht ist nicht angekommen. Aber wir können das Auto trotzdem in einer Stunde haben. Die Auotovermietung in Island bieten einen sehr guten Service: Man wird von einem Shuttlebus an jedem Ort in der Stadt abgeholt, zum Büro gefahren. Nach der Rückgabe des Autos fährt einen das Shuttle auch wieder an einen beliebigen Ort.

Es klappte aber nur bedingt gut, denn eigentlich sollte uns das Shuttle am Unigebäude Askja abholen. Da es mindestens zwei Häuser dieses Namens gibt, erreicht es uns daher etwas später. Gegen 12 Uhr sind wir dann zu Hause, um Mikael und Benedikt abzuholen. Kasia hatte mit mir von der Uni aus das Auto geholt. Zu viert brechen wir schließlich um 13 Uhr los zu unserer Tagestour auf.

Es geht in Richtung Süden. Wir haben vor, einen weiteren Teil der Reykjanes-Halbinsel zu erkunden. Bei der letzten Exkursion waren wir ja an eine große Gruppe gebunden – diesmal wollen wir uns mehr Zeit nehmen.

Nachdem wir die asphaltierte Straße hinter uns gelassen haben, nähern wir uns dem Kleifarvatn, dem mit 1 km tiefsten See Islands. Obwohl es bereits seit Tagen Plusgrade gibt und in Reykjavík der Schnee gänzlich verschwunden ist, erwartet uns hier eine Menge Schnee – und ein zugefrorener Kleifarvatn.

Erster Haltepunkt am Ufer des Kleifarvatn: Natürlich ist für die beiden anwesenden Geologen die schöne Falte das erste Ziel, nicht etwa der Strand…

Schwarzer Vulkansand am Seeufer: Unser Hilferuf bleibt ungehört (war eh nur Spaß): Über den ganzen Tag treffen wir auf dieser Straße nur zwei Autos.

Einsame Schotterstraße

Achtung Steinschlag.

Die Sonne versucht es. Obwohl es sehr regnerisch war, ist uns der Wettergott wohlgesonnen und wir blieben trocken.

Der alte Mann und der See… :-)

Nach einigem Klettern und dem Genuss der einsamen Landschaft entscheiden wir uns, weiterzufahren. Nächste Station ist ein Thermalgebiet direkt südlich des Sees. Hier wurde in den 1990er Jahren ein Geothermiekraftwerk betrieben, dessen Bohrloch 1999 ohne Vorwarnung explodierte. Seitdem beschränkt man sich darauf, lediglich Touristen in das Gebiet zu lassen. Immerhin wird man gewarnt:

Ja, der war auch hier.

Wir fahren weiter. Eine der Straßen, die wir nehmen wollten, stellt sich als zu verschneit heraus (sie wird wohl nicht geräumt). Das Auto bleibt schon im ersten kleinen Schneehaufen stecken und wir müssen es zurückschieben, was gut klappt. Wir entscheiden uns, der Schotterstraße Richtung Osten zu folgen, die Küste entlang. Hier beginnt eine Art Nationalpark und die Gegend ist wie ausgestorben. Links von uns liegt eine Steilküste, dann folgt ein Lavafeld (durch das die Straße verläuft), dann kommt der Atlantik. Das Autoradio empfängt keinen einzigen Sender mehr, die Handys haben keinen Empfang. Wir sind auf uns gestellt…

Das einzige Haus, dass wir in 10 km Umkreis gefunden haben. Es ist auch niemand zu Hause.

Der Strand ist etwas unheimlich, da viele tote Vögel herumliegen. Daneben wurde hier eine Menge Müll angespült.

Ich bin ein versteinertes Gespenst!

Schließlich drehen wir um. Es ist leider bereits zu spät, um noch gemütlich zur blauen Lagune zu fahren, wie es eigentlich geplant war. Daher entscheiden wir uns, auf dem Rückweg nur das große Schwimmbad von Reykjavík zu gehen. Am Abend ist ein gemeinsames Essen mit den anderen Gästehausbewohnern geplant, für das wir nicht zu spät kommen wollen.

Der Tag ist noch lange nicht vorbei. – Aber die folgenden Ereignisse der Nacht werde ich im nächsten Beitrag beschreiben.

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6 Kommentare zu “Reykjanes-Ausflug II”

  1. […] von vorne. Es ist Freitagabend, wir sind eben von unserer Tour zum Kleifarvatn zurückgekehrt. Das Abendessen besteht aus den zusammengeworfenen Gerichten unserer leicht […]

  2. Ein spannender Bericht. Von dir kann man lernen. Die extremsten 48 Stunden deines Lebens. Schotterstraße, Steinschlag, explodiertes Bohrloch, kein Sender mehr, Handys tot, Haus verwaist, tote Vögel.
    Von den Ereignissen der Nacht… Zwei Tage lang hatte ich die Vorstellung von in Schlucht stürzendem Auto, von Überlebenskampf…
    Die Fortsetzung zu lesen, machte aber auch Spaß. Weiter so.

  3. Hab gestern einen kurzen Fernsehbericht gesehen über Isläder, die nach superfluidem Wasser bohren, weil sie hoffen daraus noch mehr Energie ziehen zu können – zimlich abgefahren und unabsehbar für meinen Geschmack – aber viele schöne Islandbilder…

  4. superfluid klingt danach, dass es schwer zu beherrschen ist oder? immerhin ist dieses bohrloch beim kleifarvatn auch mit 200°C heißem oberflächenwasser explodiert..

  5. Ja, das scheint das größte Problem zu sein, keiner weis genau wie sich das verhält ob es vielleicht giftig oder äzend ist und die Bohrstangen angreift…aber sie bohren einfach mal rein, mal schauen was passiert.

  6. […] einmal war die Reykjanes-Halbinsel Ziel eines Ausflug (Nes heisst im Isländischen übrigens Halbinsel), […]

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