Schwimmen

Heute haben wir eines der Besonderheiten Islands erkundet: Wir waren im Sundlaug. Schwimmen hat in einem Land, in dem das lokale Heizungs- und Warmwassernetz komplett von Thermalwasser gespeist wird, natürlich eine hohe Bedeutung. Man merkt es auch morgens unter der Dusche, da das Warmwasser einen leichten Schwefelgeruch mit sich bringt. Aber man gewöhnt sich dran. – Nur beim Teekochen muss man aufpassen, dass man auch wirklich kaltes Wasser benutzt.

Aber zum Sundlaug: Wir waren heute im zentralen Schwimmbad Reykjavík, dem größten der Stadt. Die größte Besonderheit ist nicht das verwendete Thermalwasser, sondern der Fakt, dass alle Schwimmbäder Freibäder sind! Man betritt zunächst die Umkleidekabine in einem beheizten Haus. Beim Duschen wird sehr großer Wert auf die Körperhygiene gelegt, da die meisten Becken kaum oder gar nicht gechlortes Wasser verwenden. Nach dem Duschen kommt der härteste Part: Man tritt leicht bibbernd nur mit seiner Badehose bekleidet ins Freie und -1°C kalte Luft umschwärmt den Körper. Zum Glück ist man in wenigen Schritten am Becken, das einen mit wabernden Dampfschwaden bereits erwartet. Es gibt in allen Bädern eine große Auswahl an Badetemperaturen: Normale Schwimmbecken mit 50-Meter-Bahnen mit knapp 29°C und Hot Pots, also kleine halstiefe Becken mit Sitzbänken, die zwischen 35°C und 44°C warm sind. Und, wie ist es? Genial! Es ist ein unglaubliches Gefühl, seine Bahnen zu ziehen und dabei wird der Kopf von der angenehm (!) kühlen Außenluft umströmt. Wenn es doch zu frisch im Schwimmbecken ist, wechselt man in einen Hot Pot, idealerweise mit ein paar anderen Leuten, mit denen man dort behaglich sitzen und plaudern kann. Man kann sich auch einfach nur zurücklehnen und die Seele baumeln lassen.

Für die meisten Isländer ist der Schwimmbadbesuch vor allem ein soziales Ereignis. Hier trifft man sich, um den letzten Tratsch auszutauschen, hierher kommen die Familien am Wochenende und hierher kommt sogar der Präsident, so wie jeder andere auch. Daneben ist das für die Haut gute mineralreiche Thermalwasser in Verbindung mit der sehr klaren und unbelasteten Nordatlantikluft eines der Geheimnisse des isländischen Gesundheitswesens. Immerhin hat Island eine der höchsten Lebenserwartungen weltweit.

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4 Kommentare zu “Schwimmen”

  1. Hmmm, vielleicht ist es doch gar kein so abwegiger Gedanke, in Island zu leben, wie ich ursprünglich dachte. Wenn man sich da regelmäßig faul ins heiße Wasser setzen kann und gleichzeitig was für seine Gesundheit tut… klingt ziemlich gut, finde ich! Außerdem mag ich Wasser. Und ich mag, wenn es warm ist…

  2. *bibber* Ich trau mich ja nichtmal hier bei 25° Aussentemperatur ins Wasser. ;)

  3. Ja, das wäre wohl auch was für mich…Obwohl, die Überwindung mit
    der kalten Luft… Da fällt mir in Berlin das Badeschiff in
    Treptow ein. Das ist ein umgebauter alter Kahn, der am Ufer der
    Spree ankert. Im Sommer als Schwimmbecken sehr witzig, wird es im
    Winter überdacht und funktioniert als Sauna. Umziehen muss man sich
    in einem Gebäude am Ufer, um dann klappernd im Bademantel über den schmalen Steg auf das Schiff zu gelangen. Macht jedoch total
    Spaß. Beim Schwitzen schaut man durch ein riesiges Glasfenster
    auf die Spree zu vorbei schwimmende Enten, für die erste
    Abkühlung kann man ins Freie treten und Kapitän spielen.
    Klinkt sehr verlockend, mal in Island schwimmen zu gehen, ist
    wohl mal einen Badeurlaub wert…

  4. […] eisiger Wind. Passend dazu hat mich eine Erkältung erwischt, die sicher nicht mit unserem Badespaß am Samstag zusammenhängt (Reykjavík-Schneebilder folgen die nächsten Tage). Heute möchte ich ein paar […]

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