Tag 1: An die Nordküste

Seltsam ist es: Gerade sitze ich in Berlin und blicke aus dem Fenster. Und es ist dunkel. Der Himmel leuchtet nicht mal leicht. Das Islandsemester ging schnell rum und nun bin ich im grünen Deutschland und kann es noch nicht ganz fassen.

Als Abschluss dieses Blogs möchte ich euch, meinen vielen Bloglesern, die neun Tage eurer Reise im Detail nahebringen. Wir haben viel gesehen und machten unendlich viele schöne Erfahrungen in der einsamen und gewaltigen isländischen Natur. Also auf…

… an die Nordküste!

Nach relativ ereignisloser Fahrt auf der Ringstraße Richtung Norden mit kurzen Abstechern nach Akranes und Borganes erreichen wir am frühen Nachmittag Hvammstangi auf der Südwestseite der Vatnsnes-Halbinsel. Diese ist die erste der vielen Landzungen im Norden Islands. Die dicke Wolkendecke, die unser Gemüt die Fahrt über bisher etwas niedergedrückt hat, scheint sich und unsere Müdigkeit nun etwas zu reduzieren. Linker Hand blicken wir in eine sonnenklare Bucht und in der ferne liegen die verschneiten Westfjorde vor uns, zu denen wir parallel in Richtung Norden fahren.

Hvammstangi ist ein fröhlicher Ort mit vielen bunten Häusern, rosa Mädchen und blauen Jungen und dazu vielen bemalten Steinfiguren, die aus den abgerundeten Vulkanstrandsteinen gebaut wurden.

Nach einer Stärkung geht es weiter gen Norden: Hinter Hvammstangi geht die asphaltierte Straße in eine passable Schotterstraße über und wir genießen den Blick auf Pferdekoppeln mit grün-braunen Grasbüscheln, dem klaren glitzernden Ozean und den weiß aufblitzenden Westfjorden im Panorama. Ab und zu durchbricht unerwartet eine tiefe Schlucht das Gelände, durch die ein reißender Bach stürzt. Nahe einem Leuchtturm unternehmen wir einen kleinen Strandspaziergang. Schwarze Basaltfelsen ragen wie eine drohende Hand aus dem Wasser, auf ihr nisten einige Möwen. Erst hier, in der Stille des Strands fällt uns auf, was seit unseren letzten großen Ausflügen im März anders ist: Die Vögel sind da! Nicht nur einheimische Möwen, Enten und Graugänse sieht man vermehrt, auch viele Zugvogelarten, die wir nicht aus dem Stand bestimmen können und die ausgesprochen merkwürdige Laute von sich geben oder sich kreischend auf uns zu stürzen scheinen, wenn wir uns zu sehr nähern. Andere kündigen unser Kommen an, um uns dann laut piepend zu umkreisen, bis wir weitergegangen sind. Auch wenn das Gras noch überwiegend braun und in manchen Senken noch kleine Schneereste auftauchen, merkt man doch, dass auch hier der Frühling angefangen hat.

Auch wenn die versprochenen Seehundstrände noch leer sind, lohnt sich der 80-km-Abstecher um Vatnsnes, wo man deutlich mehr zu sehen bekommt, als auf der recht langweiligen Ringstraße. Auf der Westseite sind wir bereits etwas müde, halten aber an der ungewöhnlichen Felsenburg Borgavirki. Hier hat die Natur ein Rund aus Basaltsäulen gebaut, das der Mensch vor hunderten Jahren nur noch zumauern brauchte, um sich ein Versteck oder eine Festung zu bauen. So genau, weiß man es wohl nicht.

Gegen abend erreichen wir das Vatnsdalur mit seinen hunderten charakteristischen Hügelkuppen, die den Eingang des Tales markieren. Hinein führen zwei Schotterstraßen fast direkt nebeneinander. Nach einigen Fahrtminuten wird klar, warum: Es wird durchzogen von ausladenden Flussläufen und einem See, die das Durchqueren von einer Seite zu anderen schwierig machen. Wir fahren vorbei an unzähligen Pferde- und Schafskoppeln hin zum Hof Hvammur, wo wir die Nacht verbringen wollen. Die Müdigkeit übermannt uns bald, was auch an dem Hot Pot liegen mag, der uns zuvor noch alle Glieder durchgewärmt hat.

Tags: , , , , ,

Einen Kommentar schreiben.