Tag 4: Mývatn und Krafla

Nach über einem Monat in Deutschland schreibe ich wieder einmal weiter über unsere Reise um Island mitte Mai.

Unser zweiter Tag am Mývatn ist wolkenverhangen und regnerisch und wir entscheiden uns, die geothermalen Felder der Gegend zu erkunden. Nahe unseres Ruheorts Reykjahlið befindet sich ein großes Geothermie-Kraftwerk, das die überaus reichlich aus dem Boden sprudelnde Energie für Strom- und Warmwassergewinnung nutzt und dazu die „blaue Lagune des Nordens“ mit Thermalwasser versorgt. Da uns der Besuch zu teuer ist, fahren wir durch das Geothermalfeld und überqueren den Berg hinter dem Kraftwerk. Hier scheint der ganze Berg in Flammen zu stehen. Viele Teile der Flanke sind nicht im üblichen Schwarz sondern gelb-grün-bläulich besprenkelt, wobei an vielen Stellen Dampfsäulen in den Himmel emporsteigen und dort die Regenwolken mit Nachschub versorgen zu scheinen. Wir lassen das Auto irgendwo im Matsch stehen und beginnen den Aufstieg auf einen Hügel, der dem Geothermalfeld vorgelagert ist, von dessen Flanken es aber auch an vielen Stellen dampft. Der Weg geht schnell vom schlammigen Braunschwarz in ein intensives Gelbgrün über. Kleine, wenige Zentimeter hohe Vulkänchen speien übelriechende Dampffontänen in die Luft und stimmen uns auf die kommenden größeren Dampfsäulen ein, die wir bereits in der Ferne sehen. Überall, wo die Hitze nah genug an die Oberfläche gelangt ist, reißt der Boden auf und wirft Trockenrisse in alle Richtungen, was ihm eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Rührkuchenblech gibt. Der intensive Schwefelgeruch hindert uns aber daran, ihn zu probieren.

Vom dichter werdenden Nieselregen verschreckt krakseln wir schließlich den Hügel wieder hinunter zum Haupt-Solfatarenfeld, das fast fußballfeldgroß am Hang liegt und aus dem es an vielen Stellen herausdampft. Zwar sind die Löcher kochenden Wassers und Schlamms und hervorschießenden Wasserdampfs abgezäunt und gefährliche Stellen mit kleinen Holzstegen befestigt, um die Füße der mutigen Wanderer vor dem plötzlichen Garkochen zu verschonen, aber die Energie aus dem Untergrund hält sich selten an die Markierungen und man muss beim Durchqueren gut aufpassen.

Schließlich nehmen wir Reißaus, denn die Geräusche aus den Garküchen der unterirdisch lebenden Drachen werden ohrenbetäubender und ohrenbetäubender und wir erwarten jeden Moment, dass die ersten feuerspuckenden Tiere aus den brodelnden Schlammlöchern auftauchen auf der Suche nach zartem Touristenfleisch.

Wir fahren noch einmal zurück zum Mývatn, der heute so anders aussieht als tags zuvor. Der flache See ist übersäht mit kleinen Inseln, die alle entstanden, als noch fließende Lava mit Wasser in Kontakt geriet, das verdampfte und was zu kleineren Explosionen führte. Diese Pseudokrater entfalten im Nieselregen bei unangenehm kaltem Wind eine ganz eigene Stimmung, so dass wir nach kurzem Spaziergang am Ufer zwischen einer Anhäufiger der Krater lieber im Auto Mittag essen.

Krafla, ein berüchtigter, viele Kilometer langer Spaltenvulkan, dessen größten Krater wir danach besuchen, ist berühmt für die blaue Farbe seines Kratersees. Jedoch macht uns auch hier das launische Islandmaiwetter einen Strich durch die Rechnung, denn neben Nieselregen und Wind hat die Wärme des Jahres noch nicht gereicht, das etwas höher liegende Gewässer aufzutauen.

Da uns das Wetter keine Wahl lässt, entscheiden wir uns in Richtung Osten zu fahren und auf der Straße Nummer 1 direkt in die Ostfjorde zu fahren. Diese führt überwiegend über eine sehr karge Hochlandfläche, in der kaum etwas wächst und keine Anzeichen für menschliche Besiedlung zu finden ist.

Nahe einem reißenden und recht breiten Fluss (gespeist von den großen Gletschern im Süden) kommen wir an einer Baustelle vorbei, die bisher die Straße auf einem mehreren Kilometer langem Stück nur aufgeschottert hat, so dass wir Schrittgeschwindigkeit fahren müssen. Später erfahren wir von einem Tramper, dass nur drei Tage zuvor ein Schlammstrom die Straße auf diesem Stück wegspülte und dabei einen Bus und einen LKW mit erfasste. Trotz des ungemütlichen Wetters kommen wir am schließlich wohlbehalten in Egilstaðir an, dem charmlosen Versorgungszentrum der Ostfjorde.

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