Vulkanologie am Stadtrand von Reykjavík

Vor zwei Wochen war die ersten Uni-Exkursion fällig: Mit unserem Lehrer Ármann (natürlich redet man auch Lehrer in Island nur mit Vornamen an) waren wir am Stadtrand von Reykjavík unterwegs. Das gesamte südwestliche Island besteht aus Lavaströmen, die hier in den letzten paar zehntausend Jahren abgelagert wurden. Auch rund um und unter Reykjavík gibt es also Lava zu sehen, so dass man für die Exkursionen nicht weit fahren muss, um Interessantes zu sehen.

Ein Lavatunnel: Die Lava war an der Außenseite bereits stark genug gekühlt, um fest zu werden und bildete so eine gute Isolationsschicht für die Innen nachfließende. Irgendwann war die Eruption vorbei, die Lava floss ab und übrig blieb dieser Tunnel. Auch wenn dieser nur 10 Meter lang ist, können sie viele hundert Meter lang sein.

Island ist nicht nur Land der Vulkane, sondern auch des Eises. Beide Elemente spielen eine bis heute prägende Rolle und haben die Geologie schon immer am stärksten geformt. Die Insel war zur Zeit der letzten Eiszeit (des letzten glazialen Maximums, um korrekt zu sein) von einer kontinuierlichen Eiskappe bedeckt. Ältere Lavaströme wie hier zeugen noch von den Bewegungen des Eises in Form von Gletscherstriemen.

Dieses Lavafeld ist durchzogen von teilweise über hundert Meter tiefen Spalten. Wir bekommen von Ármann den Tipp, die Arme auszustrecken, wenn wir hineinfallen sollten. Die Spalten sind zwar tief aber meistens eher schmal, so dass man seinen Fall mit den Armen stoppen kann. Freiwillige wollen das gleich ausprobieren.

Ein Lavakanal: Hier floss einmal die basaltische Lava aus.

Ein Lavaohr.

Diese Pseudokrater treten hier direkt am Stadtrand in einem großen Feld auf, ein dutzend nebeneinander. War man früher von einer großen Magmaquelle im Untergrund ausgegangen, die hier an mehreren Stellen an die Oberfläche drückte, geht man heute davon aus, dass gar keine frische Magma bei der Entstehung beteiligt war. Vermutlich stieß die ausgeflossene Lava, viele hundert Meter vom Eruptionsort entfernt auf Grund- oder Oberflächenwasser. Dabei verdampft das Wasser schlagartig und verringert die Zähflüssigkeit der Lava um mehrere Größenordnungen – bei der darauf folgenden phreatomagmatischen Explosion entstehen mitten in der ausgeflossenenen Lava diese Krater. Auch wenn man heute weiß, dass hier tatächlich keine Magmakammer im Untergrund lag, hat man bisher diesen Prozess noch nie live beobachten können.

Ármann voran, damit auch jeder ihn sieht.

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